Atemtherapie


Wurzeln
Das Wissen um die Bedeutung des Atems in der persönlichen, geistigen Verwirklichung auf verschiedenen Ebenen des Bewusstseins finden wir u.a. in der mehr als 2000 Jahre alten Kultur im asiatischen Raum. Spezifische Atemweisen kennen wir z.B. aus dem Hinduismus, Daoismus und Buddhismus. Sie dienten der spirituellen Entwicklung und finden heute Anerkennung und Praxis in verschiedenen alternativen Kreisen.

Psychophysische Atemtherapie
Die Methode des Erfahrbaren Atems wurde von Prof. Ilse Middendorf [21.09.1910 – 02.05.2009] entwickelt. Sie stellt den Atem als Ursprung der Lebenskraft, als Impuls für die derzeitige Gemüts-, Gedanken- und Wesensart in den Mittelpunkt der Betrachtung. Sie wendet sich an die vielfältigen Beeinträchtigungen des natürlichen Atemgeschehens in unserer Lebensweise mit den entsprechenden Auswirkungen auf die psychosomatische Befindlichkeit und das Verhalten [Psychomotorik]. Diese Atemlehre ist ein behutsamer und zugleich vitaler Übungsweg. Er kann in der persönlichen Entwicklung zu mehr Bewusstheit über das eigene Leben führen.

Atemweise
Normalerweise ist der Atem weitgehend unbewusst – wird vegetativ gesteuert und ist willkürlich beeinflussbar. Jeder Mensch hat die Fähigkeit, den Atem bewusst zuzulassen. Es bedarf jedoch keiner Atemtechnik. Geübt wird, im Atemgeschehen anwesend zu sein in Bewegung und Ruhe, im Sitzen, Stehen und Liegen. Sammlung auf den Atem ist der Weg zunehmend über die inneren Sinnesrezeptoren, Sensibilität und Empfindungsbewusstsein für den Spannungszustand in Muskeln, Sehnen und Gelenken zu entwickeln. In der Haltung als auch in der Bewegung wird die Körperspannung wahrgenommen. Das Erspüren der Atemräume wird durch achtsames Auflegen der Hände unterstützt. Beim weit- und schmal Werden in der Atembewegung kommt es zu intensiver Selbstwahrnehmung. In der Hingabe an den Atem wird die darin verborgene Kraft – die Lebensenergie - hervorgelockt.

Atem und Stimme
Das Erleben des Atems wird durch die Übung mit der Stimme verstärkt. Das Kontemplieren und Tönen von Vokalen sowie Sprechen von Silben und Mantren regt den Atem an und lässt das Empfinden für den Atemraum, die Spannkraft im Körper und die Emotionen anwachsen. Die Lebensenergie findet ihren Ausdruck in der Kraft der Stimme.

Atem - Brücke zwischen Körper und Geist
Sammlung auf das Atemgeschehen hilft, die Empfindung für den Körper zu verfeinern. Die dichte Verknüpfung mit den Gefühlen wird bewusst - sie zeigen sich in den Emotionen. Nervosität, Stress, Schmerzen oder Angst stellen sich als Einengung im Atemraum dar. Diese Beeinträchtigung der Körperspannung führt zu Schwäche oder Verkrampfung, Fehlhaltung und schließlich zu Störungen des psychophysischen Gleichgewichts. So ist der Atem unmittelbar an der Entstehung psychosomatischer Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates, des Magen-Darm-Kanals, des Herz-Kreislauf-Systems, des Nerven- und Hormonsystems beteiligt. In der Schwingungsfähigkeit zwischen Innen- und Außenwelt zeigt sich Ausgeglichenheit auch in unseren Beziehungen.

Wirkung
Bewusst gewordene Atembewegung, die Erfahrung des Weit- und Schmalwerdens, das Erleben des Atemraumes lässt den persönlichen Atemrhythmus durchscheinen. .Bei einiger Geduld kann Tiefenentspannung und strömende Lebensenergie erfahren werden. Die Kraftressourcen – Selbstheilungskräfte - werden geweckt. Sich dem Atem hinzugeben bedeutet, die tiefe Verbindung zwischen Atem und Gefühlen wahrzunehmen und Vertrauen in sich selbst zu entwickeln. Dieser Prozess leitet den persönlichen Entwicklungsweg ein, der Lust am Leben weckt, heilend wirkt und Wandlung [Transformation] bedeutet.

„Gott ist der Atem in allem, was atmet.“
Kabir


  Fachartikel zur Atemtherapie hier

 

 

 

Inhalt der Atembehandlung in Gruppenstunden:


 

Atemtherapie hat sich bewährt bei:


Für alle Menschen, die Entspannung suchen, Kraft schöpfen möchten und offen dafür sind, sich im Atem selbst zu erfahren und zu entwickeln – insbesondere auch für Meditierende.

Erfahrung mit der Atemarbeit ist ein wunderbarer Boden für das Üben von Qigong – jedoch keine Voraussetzung. Der Atem ist Träger von Lebensenergie; er lässt das Qi fließen.